Kreishandwerkerschaft Wittekindsland
Benutzername:
Passwort:
Infos für Mitarbeiter >>>
 
 
Kurz arbeiten – lange profitieren! Runder Tisch berät in der Herforder Arbeitsagentur über ihren „Einsatz für Arbeit“
(Artikel vom 20.02.2009 - 08:36:00 Uhr)


Die Förderung der Kurzarbeit sichert in konjunkturschwachen Phasen vielen Unternehmen die Wettbewerbsfähigkeit und erhält Beschäftigten ihren Arbeitsplatz. In der Vergangenheit profi-tierten in erster Linie Großbetriebe von den Möglichkeiten der Arbeitszeitreduzierung. Jedoch sind die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise für die Wirtschaft auch bei den kleineren und mittelständischen Betrieben angekommen. Viele dieser Unternehmen brauchen eine Lö-sung, um die Zeiten mit leeren Auftragsbüchern zu überbrücken ohne ihr Personal entlassen zu müssen.

Auf Initiative der Herforder Arbeitsagentur bildeten daher Vertreter der Arbeitgeber- und Ar-beitnehmerverbände, der Kammern und der regionalen Wirtschaftsförderung einen „runden Tisch“. Diese Entscheidungsträger erörterten die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung im Witte-kinds- und Mühlenkreis sowie die Neuregelungen zur aktiven Beschäftigungssicherung durch Kurzarbeit und legten gemeinsame Handlungsschritte fest. Einstimmig raten sie die schwieri-gen Zeiten zur Verbesserung der Beschäftigungsstruktur zu nutzen.

Für Klaus Meister, kommissarischer Leiter der Agentur für Arbeit Herford und Initiator des „runden Tisches“ ist Kurzarbeit eine echte Alternative zur Lösung der derzeit vorhandenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten: „Firmen sollten dieses wichtige Arbeitsmarktinstrument nut-zen, bevor sie über Entlassungen nachdenken. Unser Ziel sollte es sein, gut ausgebildetes Personal in Beschäftigung zu halten, um die Wirtschaftskraft unserer Region zu sichern. Wir empfehlen Zeiten der Kurzarbeit für die Qualifizierung der Mitarbeiter zu nutzen.“ Kurzarbeit kann nach Meinung aller Experten relativ kurzfristig eingeführt werden. Der Vorteil: Die einge-arbeiteten Mitarbeiter bleiben im Unternehmen und stehen für noch vorhandene Aufträge zur Verfügung. Außerdem könnten sie von heute auf morgen wieder voll arbeiten, wenn eine ver-besserte Auftragslage gegeben wäre.

Zurzeit haben im Bezirk der Agentur für Arbeit Herford rund 500 Betriebe für 10.000 Beschäf-tigte Arbeitsausfälle angezeigt, die durch Kurzarbeit kompensiert werden müssen. Aus kon-junkturellen Gründen zeigten allein im Monat Januar 138 Betriebe für 2.527 Beschäftigte Kurzarbeit an. Ein Jahr zuvor waren nur 90 Betriebe mit 728 Beschäftigten betroffen.

Das Konjunkturpaket II der Bundesregierung macht Kurzarbeit nun noch attraktiver. Das er-forderliche Gesetzgebungsverfahren soll am 20. Februar 2009 abgeschlossen sein. Die darin enthaltenen Änderungen gelten dann rückwirkend zum 1. Februar 2009. So soll die Bundes-agentur für Arbeit zum Beispiel unter erleichterten Voraussetzungen die Sozialversicherungs-beiträge der Arbeitgeber zur Hälfte, bei Qualifizierung während Kurzarbeit sogar komplett, ü-bernehmen. Ausreichend wäre unter anderem auch ein Entgeltausfall von mehr als zehn Pro-zent je Mitarbeiter. Die bisherige Regelung, wonach mindestens ein Drittel der Belegschaft be-troffen sein muss, würde für zwei Jahre ausgesetzt.
Ein Meilenstein soll allerdings die Weiterbildung der Beschäftigten während Kurzarbeit sein. Da das Kurzarbeitergeld mittlerweile bis zu 18 Monate in Anspruch genommen werden kann, bietet dies den Arbeitgebern genügend Zeit für die Qualifizierung ihres Personals. Sowohl ge-ring qualifizierte Mitarbeiter als auch Fachkräfte können von der Förderung profitieren. Die Agentur für Arbeit übernimmt je nach Art der Fortbildung und der Größe des Unternehmens anteilig die Weiterbildungskosten. Das bereits bekannte Programm WeGebAU (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer im Unternehmen) ermöglicht sogar Betrieben ohne Kurzarbeit eine Übernahme der Lohnkosten während der beruflichen Qualifi-zierung eines Mitarbeiters und der Schulungskosten.

„Hier müssen die Betriebe nur zugreifen und von unseren Angeboten profitieren.“, betonte Hanspeter Stegh, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Herford.

Claudia Hilse und Melanie Taube, Regionalagentur OWL, wiesen auf eine weitere Fördermög-lichkeit, unter anderem den Bildungsscheck, hin. „ Die Vielzahl der Förderangebote an Qualifi-zierung möchten wir mit der Arbeitsagentur im Rahmen unserer Beratungstätigkeit an die inte-ressierten Arbeitgeber und Arbeitnehmer weitergeben. Auch unser Ziel ist es in diesen Tagen sinnvoll in Weiterbildung zu investieren.“
DGB-Vertreter Winfried Lange bat bei konkreten Maßnahmeplanungen darum, die praktische Umsetzung der Fortbildung in den Betrieben zu bedenken: „Jedes Unternehmen fährt unter-schiedliche Kurzarbeitmodelle. Hier gilt es die geplante Theorie aus dem 2. Konjunkturpaket auch passgenau und praxisnah zu realisieren. So können die Mitarbeiter eines kurzarbeiten-den Betriebes die schlechteren Zeiten für sinnvolle Qualifizierung nutzen.“
Die Vertreter des Arbeitgeberverbandes Herford und Minden, Wolfram Jacob, Willi Schäfer und Konstanze Weidemann, begrüßten ebenfalls die geplanten Gesetzesänderungen.

Sie stimmten überein: „Eine Vereinfachung bei der Antragstellung zu Kurzarbeit, die volle oder anteilige Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge durch die Arbeitsagentur und die Förde-rung der beruflichen Weiterbildung unterstützen die heimischen Betriebe und sichern somit Beschäftigung in der Region.“

Ricarda Hoffmann, von der Bielefelder Industrie- und Handelskammer, und Thomas Brink-mann, Kreishandwerkerschaft Herford, betonten die Notwendigkeit die Unternehmen auf Kammerebene über die Regelungen zu Kurzarbeit und Qualifizierung zu unterrichten. Sie un-terstützen den Appell für die zurzeit ausbildungsuchenden Jugendlichen ein ausreichendes Stellenangebot zur Verfügung zu stellen: „Junge Menschen sind die Fachkräfte von morgen und sind im wirtschaftlichen Aufschwung unersetzbar. Wir werden unsere Kontakte dazu nut-zen diesem Personenkreis trotz Krise die notwendige Perspektive bieten zu können.“

Alle Teilnehmer des runden Tisches waren sich darin einig diesen Informations- und Erfah-rungsaustausch regelmäßig fortsetzen, um dieses Projekt „Einsatz für Arbeit“ erfolgreich zu gestalten und die Unternehmen und Arbeitnehmer für die Zeit nach der Krise gut aufzustellen.

Der Arbeitgeberservice der Herforder Arbeitsagentur informiert und berät umfassend alle Un-ternehmen über bestehende Fördermöglichkeiten. Dabei klären die Berater die grundsätzli-chen Fördervoraussetzungen, stellen Weiterbildungsbedarfe fest und unterstützen die Unter-nehmen bei der Organisation der Weiterbildung Ihrer Beschäftigten.
Über die Arbeitgeberhotline 01801 – 66 44 66 ist der Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit Herford von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 18Uhr erreichbar. Weitere Informationen auch im Internet unter: www.arbeitsagentur.de – Unternehmen - Einsatz für Arbeit.



Dieser Artikel wurde verfasst von Brinkmann.